10 Stürme

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  • 10 Stürme
    03.12.2007 05:23

    Das Sturmtief Fridtjof zog am 2. und 3. Dezember über Deutschland hinweg. An der Küste und in der Südhälfte Deutschlands werden verbreitet Sturmböen registriert, auf dem Brocken sogar eine Windspitze von 162 km/h (siehe Abb. 1 bis 3). Die kräftigsten Stürme und Orkane entstehen bei uns im Herbst und Winter. Hier ein kleiner Rückblick auf 10 bedeutende dieser Unwetter.

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    Doch zunächst einmal muss die Frage geklärt werden: warum entstehen die kräftigsten Stürme und Orkane ausgerechnet im Herbst und Winter? Die Antwort liegt weit westlich von uns, auf dem Atlantik. Wenn in den Herbstmonaten die stark ausgekühlte Luft aus den polaren Regionen auf die deutlich wärmere aus den Subtropen in der so genannten Frontalzone trifft, dann verstärkt sich ein Starkwindband in der Höhe, der so genannte Jetstream.

    Dieser Grenzbereich reicht in den Herbst- und Wintermonate öfter bis nach Europa hinein. Wenn nun die Bedingungen günstig sind, insbesondere wenn kein blockierendes Hoch über dem Ostatlantik liegt, dann können kleine auf dem Atlantik entstehende Tiefs in weniger als 2 Tagen bei uns sein. Sie bringen dann kräftigen Wind, häufig auch hohe Niederschlagsmengen mit. Windgeschwindigkeiten von mehr als  74 km/h nennt man dabei Sturm, ab über 118 km/h Orkan.

    Im Mittel sind die Gegenden besonders gefährdet, die dabei am nächsten an Nordsee und Atlantik liegen, also der Norden und der Westen Deutschlands. Das heißt aber nicht, dass auch südlichere Regionen Deutschlands vor Orkanböen sicher sind, wie es zum Beispiel bei Lothar am zweiten Weihnachtstag im Jahr 1999 der Fall war. Höchste Windgeschwindigkeiten im nordwestdeutschen Flachland lagen bisher bei 175 km/h, in Gipfellagen wurden auch schon über 200 km/h registriert, zuletzt bei Kyrill am 18. Januar 2007.

     

    1.) 12. März 1876, der 'Märzorkan'

    Ungewöhnlich spät entwickelte sich dieser Orkan mit einem kräftigen Zentraltief über dem Nordmeer. Dabei wurden ab dem 9. März an seiner Südseite mehrere kleine Tiefs ost- bis nordostwärts geführt. Das kräftigste davon entstand am Morgen des 12. März südwestlich von England.

    Obwohl genaue Messungen noch nicht möglich waren, so kann von Windgeschwindigkeiten um 150 km/h in Norddeutschland und 170 km/h in Richtung Dänemark ausgegangen werden.

    Durch die begleitenden heftigen Regenfälle wurde die Kölner Innenstadt teilweise überflutet, in Rheinland-Pfalz wurde die Ortschaft Kaub durch einen Erdrutsch verschüttet. Sowohl Wind wie auch Niederschlagsmenge in der Größenordnung wie 1876 kommen etwa alle 50 bis 100 Jahre vor.

    2.) 14. November 1940

    Ein Tief mit einer ähnlichen Entwicklung wie oben beschrieben sorgte für schwere Zerstörungen in Belgien und dem Westen Deutschlands. Auf der Internetseite der Bochumer St. Vinzentius-Kirche wird berichtet, dass die Kirchturmspitze von einem Wirbelsturm mitgerissen wurde (Quelle).

    3.) Februar 1953: die Hollandflut

    Besonders kritisch wird es, wenn der kräftige Wind aus Nordwesten kommt und das Nordseewasser gegen die Küsten und in die Elbe und Weser hineindrückt. Das Wasser steigt, und es kommt zu einer Sturmflut. Solch eine Lage entwickelte sich am Ende des Januars 1953, als ein Orkantief über die Nordsee hinwegzog. Verbreitet herrschten in ihrem südlichen Bereich Orkanböen.

    Die Höhe dieser Sturmflut war zunächst unterschätzt worden. Als das wahre Maß der Katastrophe erkannt wurde, war es schon zu spät für eine Warnung. 1835 Menschen fanden damals ihren Tod.

    4.) 16./17. Februar 1962: die Hamburger Sturmflut

    Ein ganz ähnliches Szenario führte zu der verheerenden Sturmflut des Jahres 1962. Die schwerste Sturmflut seit 100 Jahren wurde wiederum zunächst unterschätzt. Der Pegel in Hamburg lag bei 5,70 m. 315 Menschen kamen dabei ums Leben, 60.000 Menschen wurden obdachlos, die Strom-, Gas- und Wasserversorgung fiel in weiten Teilen Hamburgs aus.

    5.) 1972: der Niedersachsen-Orkan

    Hier zog das Orkantief mit seinem Kern von Hamburg weiter ostwärts, das Hauptsturmfeld erstreckte sich von Niedersachsen etwa im Bereich der nördlichen Mittelgebirge weiter ostwärts. Böen verbreitet um 155 km/h wurden registriert, auf dem Brocken zeigten die Instrumente eine höchste Böe von beinahe 245 km/h. In Berlin-Friedrichshagen stürzte der Kirchturm herab, hier betrugen die Böen noch maximal 130 km/h.

    6.) 1990: die Orkanserie

    Eigentlich müssten hier die Nummern 6 bis 13 aufgeführt werden, denn zwischen dem 25. Januar und 1. März 1990 zogen gleich acht Orkane über Deutschland hinweg: Daria, Herta, Judith, Nana, Ottilie, Polly, Vivian und Wiebke forderten 64 Tote. In Deutschland wurde dabei ein wirtschaftlicher Schaden von über 7 Milliarden DM geschätzt.

    7.) 3./4. Dezember 1999: Orkan Anatol

    Das Tief, das sich unter äußerst günstigen Bedingungen rasch verstärken konnte und ab dem 2. Dezember vom Ostatlantik kommend über die Nordsee und Jütland in Richtung Baltikum zog, war einer der schwersten Orkane der vergangenen Jahrzehnte. Nicht nur in Deutschland, besonders auch in Dänemark waren Menschenopfer zu beklagen. Hier zählt Anatol zum schwersten Orkan des 20. Jahrhunderts.

    8.) Orkan Lothar am 26.12.1999

    Immer wieder Grundlage einer Diskussion ist der Orkan Lothar vom zweiten Weihnachtstag 1999. Er richtete besonders im Südwesten Deutschlands und in der Schweiz erhebliche Schäden an, ganze Waldstriche wurden zunichte gemacht. Als direkte Folge des Orkans starben in Deutschland 17 Leute.

    Lothar wurde zunächst in den Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes nicht erwähnt, womit er auch in die Kritik der Bundesregierung geriet (siehe Welt-Artikel). In der Prognose-Software wurden einige Parameter herausgefiltert, weil sie 'zu unwahrscheinlich' seien.

    9.) Orkan Jeanett: 27. Oktober 2002

    Orkantief Jeanett zog vom Atlantik über die Britischen Inseln in Richtung Südschweden. Besonders in Nordrhein-Westfalen gab es größere Schäden, auch mehrere Todesopfer sind zu beklagen

    10.) Orkan Kyrill: 18. Januar 2007

    Kyrill dürfte den meisten noch in Erinnerung sein. Das Hauptsturmfeld dieses Orkans erstreckte sich vom Nordwesten Deutschland über Sachsen-Anhalt und Thüringen hinweg in Richtung Brandenburg und Sachsen. Weitere In Düsseldorf und Artern wurden maximal 144 km/h registriert, auf dem Wendelstein 202 km/h. Berichte sind hier und hier in unseren Wetter News zu finden.

     

     

     

    Von: Frank Abel