Vb-Tief im Anmarsch?

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  • Vb-Tief im Anmarsch?
    14.08.2008 07:55

    Spätestens seit dem August 2002 ist der zuvor fast nur in der Meteorologenwelt verwendete Begriff Vb-Wetterlage (sprich: 5B) auch im Volksmund recht bekannt geworden. Quasi exakt sechs Jahre nach dem verheerenden Elbehochwasser kündigt sich nun eine zumindest vergleichbare Wettersituation an. Doch was genau ist mit Vb gemeint? Und vor allem, sind ähnlich dramatische Auswirken auch diesmal zu befürchten?

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    Um diesen Fragen auf den Grund gehen zu können, lohnt es sich zunächst etwas näher mit der Vb-Wetterlage zu beschäftigen. Relativ ungewöhnlich für eine so junge Wissenschaft wie die Meteorologie, existiert der Begriff Vb-Wetterlage schon seit Ende des vorletzten Jahrhunderts. Der deutsche Meteorologe Wilhelm Jacob van Bebber beschäftigte sich in seiner Arbeit für die Deutsche Seewarte mit den Zugbahnen von Tiefdruckgebieten und stellte dabei eine Art Katalog auf. Er ordnete den Hauptherkunftsgebieten jeweils römische Zahlen und den weiteren Zugbahnen über dem europäischen Festland noch einen Buchstaben zu. Für sich in südlichen Gefilden bildende Tiefdruckgebiete definierte er die V und ordnete der anschließenden Zugbahn um die Alpen herum nach Norden noch den Buchstaben b hinzu, so dass die Vb-Wetterlage geschaffen war (siehe Abbildung 1). Bis heute hat sich diese besondere Bezeichnung in vielen meteorologischen Schriften gehalten, während alle anderen von van Bebber definierten Zugbahnen heute eigentlich nicht mehr verwendet werden.

    Doch was macht diese Vb-Zugbahn so besonders, dass dieser Begriff heute immer noch breite Verwendung findet? Dies hat zwei Ursachen: Zum einen ziehen Tiefs nur äußerst selten vom Golf von Genau unter einer Verstärkung knapp östlich an den Alpen vorbei in Richtung Ostsee. Zum anderen sind es aber auch die häufig sehr intensiven Niederschlagsmengen, die aufgrund ihrer Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in Erinnerung verbleiben.

    Aber was erwartet uns diesmal? Werfen wir zunächst einen Blick auf die aktuelle Wetterlage. Deutschland liegt derzeit auf der vorderseitigen Südwestströmung eines Langwellentroges über Westeuropa (Abbildung 2). Ein bereits beginnender Cut-Off-Prozess (Abschnürung eines kleinen Höhentiefs) über dem Nordostatlantik führt aber bereits zu raschen Veränderungen dieser ansonsten recht stationären Langwellenstruktur. Unterstützt von der auf der Trogrückseite nach Süden voranschreitenden Kaltluft, kommt es zu einer Verschärfung der Temperaturgegensätze im Bereich des Scheitelpunktes des Haupttroges und damit zu einer so genannten Amplifizierung. Das bedeutet nichts anderes, als eine Ausweitung nach Süden. Dies geschieht unter gleichzeitiger Verengung der Trogstruktur (man spricht hier von der Bildung eines eingelagerten Kurzwellentroges). Dieser scharfe Kurzwellentrog weist nun sehr hohe Windgeschwindigkeiten auf (Abbildung 3). Gleichzeitig erhält die Kaltluft aufgrund der zyklonalen Zugbahn beinahe komplett ihre vertikale Mächtigkeit. Somit finden sich auf Vorderseite des Kurzwellentroges (ganz genau genommen auf der linksseitigen diffluenten Ausströmseite) im Bereich des Golfes von Genau nun ideale Bedingungen zur Entstehung eines Tiefdruckgebietes. Dieses kann sich nun mit sehr energiereicher, d.h. feuchter und warmer Mittelmeerluft (Abbildung 4) ansammeln.

    Die weitere Zugbahn der Zyklone ist in der Folgezeit abhängig von der Entwicklung des zugehörigen und steuernden Kurzwellentroges. Dieser zieht mit der Hauptströmung nun um die Alpen herum weiter nach Norden. Dementsprechend folgt auch das Bodentief dieser Zugbahn und beeinflusst mit seinem Frontensystem zunächst den Südosten und später den Osten Deutschlands. Das Tiefzentrum selbst zieht aber über Polen hinweg (siehe Abbildungen 5 bis 8). Die mit sich geführte feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum landet nun auf diesem Weg in Form von örtlich teils anhaltendem Regen wieder auf dem Erdboden.

    Aufgrund der Seltenheit von Vb-Wetterlagen haben alle numerischen Modelle erfahrungsgemäß teils recht große Probleme die genauen Niederschlagsmengen und deren Verteilung im Vorfeld gut einzuschätzen. Es ist aber davon auszugehen, dass insbesondere im Bereich der Alpen (Freitag) sowie des Erzgebirges (Freitag und Samstag) örtlich mit Überflutungen zu rechnen ist. Extrem große Niederschlagsmengen wie 2002 sind aufgrund der recht schnellen Zugbahn allerdings nicht zu erwarten.

     

     

    Von: Marcus Boljahn