Hochnebel oder Sonne?

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  • Hochnebel oder Sonne?
    18.12.2007 07:48

     

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    Hoch Bernhilde hat sich über Europa regelrecht eingenistet. Sehr schön zu sehen ist dies in unserem Satellitenfilm: die mittelhohen und hohen Wolken machen einen riesigen Bogen um uns, im Uhrzeigersinn vom Ostatlantik kommend über Irland und Schottland bis nach Lappland, Finnland und zu den baltischen Staaten, in der Mitte befindet sich das sehr kräftige Hoch mit Schwerpunkt vor der Westküste Norwegens.

    Hoch = Sonne? Nicht immer

    Nun könnte man meinen, wenn denn doch das Hoch so kräftig ist, dann müsste ja auch die Sonne kräftig scheinen. Aber wie bereits erklärt wurde, bedeutet ein Hoch zunächst einmal, dass die Luft absinkt.

    Nun kommt es zum einen auf die Temperaturen in verschiedenen Höhen, zum anderen auf die Luftfeuchtigkeit an, ob die Sonne wirklich von einem blauen Himmel strahlen kann.

    Temperaturverhältnisse am Boden und in der Höhe

    Betrachten wir zunächst die Temperatur in einer Höhe, die etwa bei 1,5 km liegt, genauer auf der 850 hPa-Fläche. Hier sieht es recht mild aus, denn die Luft kommt aus den Subtropen über die nördliche Nordsee und wird um das Hoch herumgeführt, wie auch die Wolken im obigen Satellitenfilm zeigen. Im Lee der skandinavischen Gebirge durch Föhneffekte noch zusätzlich erwärmt, gelangt die Luft dann über die Ostsee nach Deutschland. Durch weitere Verlagerung des Hochs in die Nordsee setzt sich diese milde Luft noch weiter durch. Die höchsten Temperaturen in der Höhe herrschen am 19.12.07 also im Nordosten mit +5°C, wie in Abb. 2 zu sehen ist, aber auch sonst herrschen in 1,5 km Höhe meist Plusgrade.

    Die Verhältnisse liegen in Bodennähe etwas anders: mit schwachen Winden aus überwiegend Nordost (Abb. 3) sickert hier sogar noch zusätzlich kalte Festlandsluft aus Polen herein, was für Temperaturen in Erdbodennähe meist im Frostbereich sorgt (Abb. 4).

    Dies sorgt für eine so genannte Inversion, die Temperatur steigt also in einem gewissen Bereich mit der Höhe, wie auch an dem Radiosondenaufstieg von Schleswig am 18.12.07 um 1 Uhr zu erkennen ist (Abb. 5): von 973 m Höhe bis 1104 m Höhe steigt die Temperatur von -5,9°C auf +0,8°C.

    Je feuchter die Luft, desto eher Hochnebel

    Als Ursache für den Hochnebel kommt nun die Luftfeuchtigkeit ins Spiel. Dazu müssen wir uns vorstellen, wie die Luft aus der wärmeren höheren Region in die kältere hinabsinkt. Je höher dabei der Wassergehalt, desto eher kann bei Abkühlung das Wasser kondensieren. Jeder Brillenträger kennt diesen Effekt im Winter: kommt man nach einem Spaziergang von draußen wieder herein, so beschlägt die Brille, und zwar umso schneller, desto mehr Leute sich in diesem Raum befinden (=desto mehr Luftfeuchtigkeit dort herrscht).

    In unserem konkreten Fall macht die Luft einen weiten Weg über das Wasser und kommt von Nordosten nach Deutschland herein, ist also angereichert mit Ostseewasserdampf. Dementsprechend ist es klar, dass je näher man in Richtung Nordosten Deutschlands unterwegs ist, je eher man mit einer zähen grauen Schicht aus Hochnebel rechnen muss, aus der auch ein paar einsame Schneeflocken fallen könnten, während es insbesondere auf der windabgewandten Seite von Harz, Thüringer Wald und Bayerischem Wald noch Chancen auf richtig freundliche Abschnitte gibt (Abb. 6).

    Auf den Bergen am sonnigsten und wärmsten

    Übrigens können die höheren Berge der Mittelgebirge über diese Hochnebeldecke hinausblicken, wie es zum Beispiel am 16.12.07 beim Brocken der Fall war. Die grauen Wolken sind noch gut in der Webcam von 15:30 Uhr zu erkennen (Abb. 7). Hier, an der Oberkante der Hochnebeldecke, ist die Luft besonders mild und trocken. Bei grandioser Fernsicht werden hier in den kommenden Tagen überwiegend Plusgrade herrschen (Abb. 8).

     

    Von: Frank Abel