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Unter Wasser09.08.2007 04:43
1. Was geschah
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1.1. Sehr uneinheitlich
Hört oder sieht man im Moment einen Wetterbericht, der für ganz Deutschland bestimmt ist, so wird man 'teils kräftiger Regen', 'Gewitter' und 'viele Wolken' im Ohr behalten.
1.2. Kühl bis schwül-heiß
Dies stimmt aber längst nicht für alle, denn selten ist die Wetterlage so unübersichtlich und regional so unterschiedlich, wie im Moment. Um das zu verdeutlichen, klicken Sie einmal auf die gestrigen Extremwerte. Die Spanne reicht von 16,3°C in Freiburg bis 29,3°C in Cottbus. Eine riesige Spanne, hier kann man aber immerhin noch ein Nordost-Südwest-Gefälle erkennen.
1.2. Trocken bis extrem nass
Betrachtet man sich aber die gestern von 8 bis 20 Uhr gefallenen Niederschlagsmengen, so wird es noch komplizierter: man erkennt ein Stark-Niederschlagsgebiet, das in einem etwa 100 km breiten Streifen ziemlich genau der Autobahn A7 vom Allgäu bis nach Hessen folgt (dies ist natürlich Zufall) mit 12-stündigen Mengen zum Teil über 50 Liter auf jeden Quadratmeter.
Dazwischen gibt es ein Gebiet vom Dresdner Raum bis in die Magdeburger Börde, in dem es beinahe trocken blieb. Auch in vielen anderen Gebieten besonders in Ostdeutschland bleib man verschont.
Dennoch steht in der unten angefügten Hitliste der gestrigen Niederschläge Berlin-Tegel auf Platz 8 mit 34 Litern pro Quadratmeter. Diese Wassermassen sind nicht in 12, sondern in 2 Stunden gefallen und haben dazu geführt, dass der Flughafen von 16:45 bis 17:15 den Luftverkehr einstellen musste. An einzelnen Stellen der Berliner Straßen stand das Wasser einen halben Meter hoch.
2. Warum es geschah
2.1. Kalt gegen warm, aber beides feucht
Diese unterschiedlichen Wettererscheinungen lassen darauf schließen, dass Luftmassen mit ungleichen Eigenschaften aufeinander treffen. Und tatsächlich befindet sich Deutschland zurzeit unter einer solchen Luftmassengrenze.
Schauen Sie sich Abbildung 1 einmal an. Hier sehen Sie, dass kühle und feuchte Luft aus dem Nordmeer nach Westdeutschland gelangt, während von Osten mit dem kleinräumigen Tief Leander feucht-warme Luft aus Südosteuropa herangeführt wird. Die einzige Gemeinsamkeit ist also: die Luft ist feucht.
2.2. Dauerregen im Südwesten
Der Starkregen im Süden und Westen Deutschlands hat seinen Grund in einem Wirbel mit kalter Luft in höheren Luftschichten, der sich langsam in Richtung Alpenraum bewegt. In seinem Bereich wird die feuchte Luft nach oben befördert (Abb. 2) und kühlt sich weiter ab. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als ob man über Ihnen einen feuchten Schwamm ausdrückt: es regnet, zum Teil stark und länger anhaltend.
2.3. Gewitter im Nordosten
Im Osten dagegen sorgte nicht nur die ohnehin schon feucht-warme Luft für höhere Temperaturen, zusätzlich konnte die meiste Zeit des Tages auch die kräftige August-Sonne noch ordentlich einheizen. Dadurch entstanden die bekannten Hitzegewitter.
Wie kamen aber die Wassermassen zustande? Schauen Sie sich dazu noch einmal die Abbildung 3 an. Hier ist mit den Windfiedern der Höhenwind dargestellt. Sie sehen, dass die Hauptströmung in rund 5 km Höhe südlich um die beiden Höhenwirbel herumführt (weißer Pfeil).
Deutschland liegt dagegen in einem Bereich mit äußerst schwachen Höhenwinden. Etwa so wie in Abbildung 3.1 liegen wir wie zwischen zwei Felsen in einem Bach. Das führt dazu, dass Gewitter, die einmal entstehen, nur sehr langsam weiterziehen und in dieser Zeit sehr viel Wasser auf kleinem Raum abladen können.
3. Was geschehen wird
Auch heute ändert sich nichts daran, dass das Wetter komplex ist: das französische Höhentief wandert weiter zum Alpenraum, womit hier wieder mit intensiven Regenfällen zu rechnen ist. Gleichzeitig zieht das Tief Leander von Tschechien aus weiter westwärts, womit sich in der Mitte ein Niederschlagsband verstärkt. Im Nordosten dagegen bleibt es bei feucht-warmer Luft, und hier sind bei schwachen Höhenwinden auch wieder einzelne Hitzegewitter möglich.
Die Temperaturspanne ist heute noch etwas größer: 14°C bekommen wir nur maximal in Freiburg, dafür 30°C in Berlin.
Von: Frank Abel
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