-
Ostsee-Effekt17.12.2009 20:46
Sehr kalte Luftmassen strömen derzeit von Osten nach Deutschland. So wird beispielsweise in einer Höhe von etwa 1300 Metern am Mittag eine Temperatur bis zu -20°C erwartet. Kälter war eine Luftmasse zuletzt im Januar 1987 über Deutschland. Am Boden hingegen gab es zum letzten Mal im vergangenen Winter niedrigere Temperaturwerte als derzeit, doch diese Werte waren eine Folge von klaren Nächten und entsprechender Auskühlung, während die Luftmasse in über 1000 Metern Höhe nicht ganz so kalt war. So sprechen Meteorologen im heutigen Falle von hoch reichender Kaltluft, während es an anderen kalten Wintertagen durchaus "höhenmild" sein kann.
Den Unterschied zwischen hochreichender und flacher Kaltluft bemerkt man am Boden zumeist nicht. Anders ist dies aber dort, wo sich die Kaltluft über warmes Wasser ausbreitet. Dann kommt schnell Leben in eine hochreichend kalte Luftmasse. Denn das warme Wasser vermag es nicht, die Luft bin in große Höhen aufzuwärmen. Stattdessen stellt sich ein recht großes Temperaturgefälle von tiefen zu hohen Luftschichten ein. So liegt die Wassertemperatur der Ostsee heute noch bei 5°C, während in 1300 Metern Werte um -15°C erreicht werden.
Das große Temperaturgefälle begünstigt kräftige Umlagerungen in der Luftmasse, wobei die vom Ostseewasser aufgewärmte Luft nach oben strudelt. Sie nimmt zuvor über der Wasserfläche Feuchtigkeit auf, die beim Aufstieg zu Wolken kondensiert. So bilden sich über dem Wasser zunächst verbreitet Quellwolken und Schneeschauer, die sich schließlich zu richtigen Ketten zusammenschließen, und zwar bevorzugt zur Mitte der Gewässer hin und dort, wo die kalte Luft den längsten Weg über das Wasser hat. Die Folge sind Schneeschauer, die teils längere Zeit über die selbe Region ziehen und teilweise sehr ergiebigen Schnee bringen können, während es nur wenige Kilometer weiter meist trocken oder sogar heiter sein kann.
Der derzeitige Kaltlufteinbuch hat nun an der westlichen Ostseeküste bereits zu erheblichen Schneemengen geführt. Die Abbildungen links zeigen die Schauerkette dieses sogenannten "Ostsee-Effektes" im Satelliten- und Radarbild.Von: Christoph Gatzen-
Anzeige
-
-
TAGS:


