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Zum Wochenende nachhaltige Milderung?08.12.2008 08:04
"Wo bleibt denn der Winter?" – Eine Frage, die man dieser Tage als Meteorologe so manches Mal gestellt bekommt. Und das nicht ganz zu unrecht, denn wirklich winterlich ist es vielerorten ganz und gar nicht.
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Schauen wir uns die aktuellen Schneehöhenverhältnisse in Deutschland (Bild 1) an, so ist festzustellen, dass nur in höheren Lagen eine Schneedecke anzutreffen ist. So meldet beispielsweise der Brocken genau einen Meter Schnee und hat damit unter den Mittelgebirgsstationen die Nase vorn. Die Zugspitze hat zwar mit einer Gesamtschneehöhe von 135 cm noch mehr zu bieten, allerdings ist dies in den Alpen für fast 3000 Meter Höhe zu dieser Jahreszeit keine Besonderheit. Grob lässt sich insgesamt sagen, dass in Lagen ab 500m Schnee anzutreffen ist, je weiter man hinaufgeht, desto eher trifft man sogar ein Wintermärchen an. Der Großteil der Bevölkerung in Deutschland lebt allerdings im Flachland und dort mutet es keinesfalls winterlich an.
Doch wie geht es nun weiter? Ist nachhaltiger Winter in Sicht? Schaut man sich zu dieser Fragestellung das amerikanische Wettermodell GFS für das kommende Wochenende (Bild 2) an, so lässt sich sehr schnell feststellen, dass man leider verneinen muss. Am Beispiel der Bodendruckverteilung für den kommenden Sonntag lässt sich eine beinahe lehrbuchhafte Druckverteilung über dem Atlantik beobachten, bei der sowohl das viel zitierte Islandtief als auch das Azorenhoch wunderbar zu erkennen sind. Für uns bedeutet das von Westen her den Durchbruch milder und feuchter Luftmassen, wonach Winter im Flachland kein Thema ist. Nun vergleichen wir den selben Temin einmal mit der Vorhersage des europäischen Wettermodells ECMWF (Bild 3), welches die Großwetterlage zwar prinzipiell ähnlich beurteilt, jedoch im Detail einige nicht ganz unwichtige Unterschiede offenbart. So entdecken wir zwar über dem Atlantik ebenfalls ein ansehenliches Islandtief und Azorenhoch, allerdings darf man für das Wetter in Mitteleuropa das kräftige Hoch über Westrussland nicht außer Acht lassen. Dieses wird in der Modellprognose des ECMWF stärker gerechnet, was für uns zur Folge hätte, dass die bodennahen Winde vor allem in der Osthälfte Deutschlands eher aus Süd bis Süost wehen würden und aus dieser Richtung kommt im Winter normalerweise keine wirklich milde Luft. Das hieße allerdings noch lange nicht, dass wir im Flachland echtes Winterwetter zu erwarten hätten. Vielmehr sind in diesem Szenario für die Jahreszeit normale Temperaturwerte zu erwarten, die tagsüber knapp über und nachts knapp unter dem Gefrierpunkt liegen.
Dies ist auch sehr schön anhand der Ensembles für Berlin (Bild 4) zu beobachten. So präsentiert die rote ECMWF-2m-Temperaturkurve genau diese Verhältnisse, während die blaue GFS-Kurve zu Beginn der kommenden Woche nach oben ausschert. Doch welchem Modell sollte man nun eher trauen? Im aktuellen Fall sprechen zwei Dinge für ECMWF, zum einen gilt es in der Mittelfrist generell als das etwas bessere Modell und zum anderen weil der aktuelle Hauptlauf des GFS zu Beginn der kommenden Woche deutlich am oberen Ende der Ensemble-Möglichkeiten bewegt. Somit kann zusammenfassend festgehalten werden, dass eine durchgeifende Milderung zur kommenden Woche zwar im Rahmen der Möglichkeiten liegt, von heute aus betrachtet aber doch eher unwahrscheinlich ist. Vielmehr muss damit gerechnet werden, dass für die Jahreszeit übliche Temperaturen erreicht werden, womit weitgehend nur nachts mit Frost gerechnet werden müsste. Ein Wintermärchen mit einer stabilen geschlossenen Schneedecke wie in Bild 5 ist für Flachlandbewohner aber vorerst nicht in Sicht.
Von: Gregor Neubarth
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