Klimawandel aus Sümpfen

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  • Klimawandel aus Sümpfen
    26.09.2007 06:15

     

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    Treibhaus-Effekt vor 55 Millionen Jahren

    Die Ära des Paläozän/Eozän-Temperaturmaximums (PETM) vor etwa 55 Millionen Jahren war eine Zeit der plötzlichen Erderwärmung, die durch einen sprunghaften Anstieg der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre verursacht worden war. Die Wassertemperatur des Arktischen Ozeans stieg damals auf bis zu 23°C.

    Welche Mechanismen genau zu einer derart hohen Konzentration an Treibhausgasen (hauptsächlich Kohlendioxid und Methan) führten, ist bis heute ungewiss, aber auch Gegenstand intensiver Forschung. Erlaubt die genauere Kenntnis doch eventuell Rückschlüsse auf den zukünftigen Weg unseres Klimawandels.

    Beschleunigte Erderwärmung?

    In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift nature erschien jüngst ein Bericht von der Universität von Bristol mit einem neuen Forschungsergebnis. Demnach deutet alles darauf hin, dass die Natur auf schnelle Erwärmung mit einer erhöhten Produktion von Methan reagiert, was die Globaltemperatur zusätzlich in die Höhe treibt: eine 'Aufwärtsspirale'.

    Methan aus dem Moor

    Die Wissenschaftler der Bristol University untersuchten dazu Sedimente des Cobham Lignite Moors im Südosten Englands. Diese wurden freigelegt, als der Ärmelkanal-Tunnel gebaut wurde.

    Bei der Untersuchung wurden Ablagerungen von Kohlenstoffisotopen in den Hopanoiden, das sind organische Verbindungen, die von Bakterien gebildet werden, überprüft. Das Forscherteam fand dabei heraus, dass die Konzentration dieser Isotope zur Zeit der PETM drastisch abnahm. Diese drastische Abnahme kann nur dadurch erklärt werden, dass die Moor-Bakterien ihre Nahrung auf Methan umgestellt haben.

    Dr. Pancost: "Produktion von Methan"

    Einer der Verantwortlichen ist Dr. Richard Pancost. Er wird zitiert: "Vor 55 Millionen Jahren verursachte ein gewaltiger Anstieg an Kohlenstoff in der Atmosphäre eine signifikante globale Erwärmung. Es ist wahrscheinlich, dass diese Erwärmung und der damit verbundene Klimawandel auch Umweltbedingungen schaffte, die eine erhöhte Emission von Methan mit sich brachten. Diese Emission könnte durch eine vermehrte Produktion von Methan aus der Biosphäre verursacht worden sein."

    Methan ist ein sehr wirksames Treibhausgas, etwa 21 Mal effektiver als Kohlendioxid. Wäre also dieser in diesem englischen Moor nachgewiesene Vorgang auch verbreitet aufgetreten, so hätte die Methanproduktion den Treibhauseffekt weiter verstärkt und damit die globale Erwärmung zusätzlich beschleunigt.

    Prof. Scott: "Vor 55 Mio. Jahren viel wärmer"

    Doch Professor Andrew Scott von der ebenfalls an der Untersuchung beteiligten Universität Royal Holloway mahnt: "Wir können diesen Teilausschnitt nicht als exaktes Modell für die Prognose einer zukünftigen globalen Erwärmung benutzen, da das Klima vor 55 Millionen Jahren viel wärmer war als heute."

    Dr. Pancost fügt hinzu: "Wir müssen vorsichtig sein, Daten von einer einzigen Messstelle nicht überzuinterpretieren. Dennoch liefert dieses Ergebnis einen guten Einblick, wie einige Ökosysteme bei schneller Erderwärmung reagieren könnten."

    Wäre die im Cobham Lignite Moor gemachte Entdeckung also repräsentativ, so würde die globale Erwärmung nicht nur durch die Emission von Kohlendioxid wie etwa durch Verbrennung fossiler Brennstoffe angetrieben, sondern durch die biologische Reaktion einiger Ökosysteme sogar zusätzlich beschleunigt.

    Von: Frank Abel