Wo ist die Kälte?

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  • Wo ist die Kälte?
    14.12.2006 08:19

    Wer heute Morgen zwischen Bernburg und Helgoland schon früh seinen Fuß vor die Tür gesetzt hat, der hat es deutlich gemerkt: der Winter ist bei uns noch nicht angekommen. Zweistellige Temperaturen in Norddeutschland, selbst in den Mittelgebirgen bleibt der Schnee nur kurzzeitig liegen. Sieht man auf die links stehende Karte der nördlichen ("Winter"-)Halbkugel (1), so sieht man es deutlich: gerade in Europa kommt die milde Luft am weitesten nordwärts voran, erkennbar an dem gelben Keil bis nach Skandinavien. Bei uns hat der Winter also weiterhin gegen die milde Luft aus dem Südwesten zu kämpfen.

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    Wo ist sie also, die Kälte? Betrachten wir die Karte zusammen mit den gemeldeten weltweiten Temperaturwerten von heute Nacht 1 Uhr unserer Zeit (2), so sehen wir aktuell zwei Kältepole: einen bei den Königin-Elisbath-Inseln vor Grönland und einen zweiten in Ostsibirien. Letzteren wollen wir uns genauer betrachten.

    Hier haben wir es mit einem sibirischen Kältehoch zu tun. Es entsteht, wenn über den großen Landflächen die Luftfeuchtigkeit gering ist und sich die Erdoberfläche infolge der längeren und klaren Nächte stark auskühlt. Besonders stark ist die Auskühlung zudem über großen Schneeflächen. Die aktuelle Schneedecke ist dabei in Abbildung 3 zu sehen, das westsibirische Bajkit zum Beispiel meldete um 1 Uhr unserer Zeit eine Schneedecke von 58 cm. Einen kleinen Eindruck aus dieser Gegend liefert auch das Webcambild aus Nowokusnezk (4).

    Da kältere Luft eine höhere Dichte hat, sinkt sie zum Boden. Dabei steigt der Luftdruck weiter, dieser erreicht bei  Sibirischen Winterhochs die höchsten Werte, auch der maximal je gemessene Luftdruck kommt hierher: 1083,8 hPa am 31.12.1968 in Agata. Dabei klebt die kalte Luft förmlich am Boden; selbst wenn wärmere Luft in der Höhe herangeführt wird, hat dies nur wenig Auswirkungen auf die Bodentemperatur.

    Wie weit die Auskühlung bereits vorangeschritten ist, sieht man an den heute Nacht um 1 Uhr unserer Zeit gemeldeten Temperaturen: Ojmjakon in Ostsibirien meldete -52,4°C, und selbst das wesentlich weiter westlich gelegene Tura hat zum ersten Mal in diesem Jahr die -50°C-Marke unterschritten: -50,6°C wurden hier gemessen.

    Übrigens: im Süden Deutschlands zeigt sich heute Morgen ein ähnlicher Effekt, wenn natürlich auch längst nicht so ausgeprägt: Hoch Yens sorgte nach klarer und windschwacher Nacht für Auskühlung, sodass immerhin leichter Frost auftrat.

    Von: Frank Abel