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  • Hält das Hoch?
    10.10.2007 07:40

    Hoher Luftdruck bestimmt derzeit das Wetter über Mitteleuropa (Abbildung 1) und sorgt für einen Goldenen Oktoberbeginn. Dieser wird am Freitag zwar mal kurzzeitig unterbrochen, allerdings setzt sich danach wieder rasch Hochdruckeinfluss durch. Dabei drängt sich natürlich recht schnell die Frage auf, wie lange diese Großwetterlage mit einem stabilen Hochkeil über Mitteleuropa noch anhält.

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    Um dieser Frage nachzugehen, lohnt sich stets ein Blick über den Tellerrand hinaus auf die gesamte Nordhemisphäre, denn die vorherrschende Großwetterlage und deren zukünftige Entwicklung ist sehr stark abhängig von den vorhandenen Höhenströmungsmustern.

    Abbildung 2 zeigt eine Übersicht der nordhemisphärischen Strömungsverhältnisse in 500 hPa für die Prognosezeiträume +48h (oben links), +96h (oben rechts), +144h (unten links) und +192h (unten rechts) des amerikanischen GFS-Modells. Dabei erkennt man sofort, dass die Höhenwinde keinem breitenkreisparallelen Muster folgen. Dies begründet sich in der Hydrodynamik, denn parallele Strömungen haben die Eigenschaft ab einer gewissen Geschwindigkeit den laminaren Zustand verlassen zu wollen. Ähnliches passiert auch in der freien Atmosphäre, wo sich ab einer gewissen Geschwindigkeit Wellenmuster bilden. Der Schwede Carl Gustav Rossby beschrieb dieses Phänomen als Erster, so dass atmosphärische Wellen ihm zu Ehren meist als Rossby-Wellen bezeichnet werden. Allgemein gesagt bildet der Wellenzustand (in Form von Keilen oder Trögen) den stabilen Zustand, während eine (breitenkreis)parallele Höhenströmung stets den instabilen Zustand darstellt. Je stärker also eine parallele Höhenströmung, umso eher neigt sie dazu, atmosphärische Wellen zu bilden.

    Rossby fand des weiteren heraus, dass sich die atmosphärischen Wellen in Abhängigkeit von ihrer Wellenlänge bewegen. Dabei gilt, je kürzer die Wellenlänge, umso schneller verlagert sich die Welle progressiv mit der Höhenströmung. Umgekehrt werden lange Wellen ab einer gewissen Wellenlänge stationär und bewegen sich kaum. Sehr lange atmosphärische Wellen können sich sogar retrograd (entgegen der Strömungsrichtung) verlagern.

    Es hat sich der Einfachheit halber als praktisch erwiesen mit Wellenzahlen zu arbeiten, denn man weiß anhand von Berechnungen, dass nur die Wellenzahlen 1-3 stationäre oder gar retrograde Fälle liefern, die auf eine stabile Großwetterlage rück schließen lassen. Dabei zählt man einfach die Anzahl der Langwellentröge (oder alternativ Langwellenkeile) auf der Nordhemisphäre. Exakterweise müsste man eine Wellenanalyse durchführen, denn wie ansonsten in der Physik auch ist das Gesamtbild eher eine Überlagerung mehrerer verschiedener Wellen unterschiedlicher Wellenlänge. Dennoch liefert das simple Abzählen brauchbare Ergebnisse.

    Bei der 48h-Vorhersage für Freitag sieht man, dass die Wellenzahlen 4-5 dominieren, so dass eine leicht progressive Verlagerung der Wellenregime nach Osten zu erwarten ist. Auf den weiteren Vorhersagekarten ist dann eine steigende Tendenz zur Welle 6 erkennbar. Dies spricht dafür, dass der Langwellenkeil über Mitteleuropa mittelfristig durch einen nachfolgenden Trog verdrängt wird, wie man auch auf der +192h Karte des GFS-Modells erkennt. Diese Entwicklung wird auch vom ECMWF-Modell unterstützt (Abbildung 3), bei dem die meisten Ensemble-Prognosen ebenfalls den Abbau des Keils zeigen. Nachfolgend besteht allerdings wieder etwas Hoffnung, denn wie in Abbildung 4, vor allem aber in Abbildung 5 für den Zeitraum +240h berechnet wird, sehen die Mehrzahl der Ensembles einen neuen Langwellenkeil für Mitteleuropa.

    Die ersten zwei Drittel des Oktober bleiben also noch überwiegend gülden, während das letzte Drittel voraussichtlich wechselhafter wird.

     

    Von: Marcus Boljahn