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China und Japan17.08.2007 06:30
Bundeskanzlerin auf Klima-Tournee
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte in der zukünftigen Zeit auf einer so genannten Klima-Tournee die Menschen für das Thema Klimawandel und globale Erwärmung sensibilisieren. So beendete sie gestern zusammen mit Umweltminister Gabriel die Auftaktreise nach Grönland.
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Grönland verliert als größte Insel der Welt zurzeit 220 Quadratkilometer Eis pro Jahr, das ist etwa doppelt so viel wie im Jahr 1996 [1].
Gleichzeitig muss man dabei betonen, dass Grönland, das "grüne Land" vor 450.000 Jahren zumindest im Süden etwa so bewaldet war wie Schweden, wie Forscher nun anhand von DNA-Proben herausfanden[2].
Wieso nun China und Japan?
Ab dem 26. August führt die einwöchige Reise nun nach China und Japan. Wieso ausgerechnet dorthin?
Im Moment leben rund 1.3 Milliarden Chinesen auf der Welt. Das entspricht einem Fünftel der Weltbevölkerung, noch dazu doppelt so viel wie vor 100 Jahren. Dazu hatte China zwischen 1999 und 2003 ein beachtliches Wirtschaftswachstum: im Schnitt 8% pro Jahr.
Natürlich wächst dementsprechend auch der Bedarf an Energie und folglich auch der Kohlendioxid-Ausstoß: sehr bald wird China die USA als größter Kohlendioxid-Verursacher überholt haben. Laut dem Max-Planck-Institut für Meteorologie hat die Luftverschmutzung in den vergangenen Jahren enorm zugenommen, wie die Auswertungen von Satelliten-Daten zeigen[3].
Bisher unterschätzt: Smog
Dabei rückt eine Erkenntnis immer mehr ins Rampenlicht: nicht nur der Ausstoß von so genannten Treibhausgasen selbst, sondern auch Staub und Dunst haben einen großen Einfluss auf den Temperaturhaushalt und folglich auch auf das Klima.
Das Stichwort lautet hier: ABC, eine Abkürzung von atmospheric brown clouds. Sie bestehen aus Luft-Teilchen (Aerosolen), die das Licht absorbieren und die Energie in Wärme umwandeln. Andere streuen das Licht und sorgen so dafür, dass weniger an die Erdoberfläche gelangt.
Untersuchungen von Wissenschaftlern des Scripps Institution of Oceanography an der Uni San Diego haben nun neue Erkenntnisse dieser braunen Wolken geliefert[4]:
- global überwiegt die Abdunklung (global dimming) durch die ABC über die Erwärmung durch die Aerosole. Dadurch war die globale Erwärmung nicht so stark, wie anhand der Konzentration der Treibhausgase zu erwarten wäre: die globale Erwärmung wurde maskiert
- die Konzentration dieser Aerosole ist über Südasien und dem Indischen Ozean so stark, dass die Temperaturzunahme gerade in der Höhe zu spürbar geworden ist
- ein dadurch berechneter Temperaturanstieg von 0,25°C pro Jahrzehnt erklärt den starken Rückgang der Himalaja-Gletscher
- durch die Aerosole bilden sich mehr kleine Wassertröpfchen als größere Regentropfen. Demzufolge erreicht nicht mehr so viel Regen den Boden, es regnet und schneit weniger, also droht verstärkt Wasserknappheit
Eine Forschergruppe um den Chemie-Nobelpreisträger Mario Molina an der Universität San Diego[5] hat nun herausgefunden, dass dies auch entscheidenden Einfluss auf das Weltklima hat:
Da die Smogkonzentration über dem Pazifik nun auch immer dichter geworden ist, hat die Bewölkung der Stürme zugenommen. Diese wiederrum reichen hoch in die Atmosphäre hinein und wandern auch weit nordwärts. Die Windsysteme dieser Breiten sind nämlich maßgeblich für den Temperaturtransport zwischen den Tropen und den arktischen Regionen verantwortlich.
Als Konsequenz wird mehr Wärme in Richtung Nordpol geführt, dieser Arktische Dunst, der schon seit Jahren von Polarforschern beobachtet wurde[6], wäre eine weitere Erklärung für das rasante Abschmelzen des arktischen Eises.
Warum dann Japan?
Die Reise nach Japan gilt dem ehrgeizigen Ziel von Japans Premierminister Shinzo Abe. Er möchte mit seinem Programm "Cool Earth 50", das er beim G-8 Gipfel in Heiligendamm vorstellte, die Nationen vereinen. Sein Ziel: bis zum Jahr 2050 soll die Konzentration des Kohlendioxids halbiert werden. Seine Methoden, dies zu erreichen, sind allerdings umstritten.
Japan selbst bekommt die Auswirkungen vor seinen Küsten zu spüren: wegen der höheren Konzentration des Kohlendioxids im Meereswasser kommt der ozeanische Transport-Kreislauf aus dem Gleichgewicht[7].
Unter anderem verändern sich die Bevölkerungsstrukturen maritimen Planktons. Satellitenaufnahmen zeigen explosionsartig verbreitende Phytoplankton vor Japans Inseln.
Das Wetter zur Dienstreise
Das waren Informationen zum Klima. Mit welchem Wetter aber müssen Frau Merkel und Herr Gabriel bei der Anreise rechnen?
Unser Multi-Model MOS (siehe Abbildung) sagt weiter monsunartige Regenfälle für große Teile Chinas voraus, die Sonne dürfte nur im Norden zu sehen sein.
Bei den Tropen bemerkt man den Einfluss tropischer Luftmassen: obwohl die Sonne kaum scheint, werden dennoch teils Maxima über 30°C erreicht.
Quellen:
- NASA News RELEASE: 06-066 (Revised)
- Tagesschau-Meldung vom 16.08.2007
- Max-Planck-Institut für Meteorologie
- Nature Magazine, Ausgabe vom 2.08.2007
- SCRIPPS Institution of Oceanography, UC San Diego
- Geophysical Institute, University of Alaska Fairbanks, Artic Haze Article #363, T. Neil Davis, 17.12.1979
- Telepolis, Plankton und Kohlendioxid, Bernd Schröder, 30.06.2005
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