MeteoShow & Leserfrage

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    (1) Rückblick zur Leserfrage: Analysekarte vom 8. August 2012 mit Hoch- und Tiefnamen (Quelle: FU Berlin)

    (2) Luftdruck am 09.08. mit Hoch Zacharias über Großbritannien

    (3) Gemeldete Taupunkte (siehe Text) und Wind zum gleichen Termin aus Nord- und Mitteleuropa: Auch NRW erreicht Meeresluft

    (4) Taupunkte und Wind 24 Stunden später, am 10.08. um 14 Uhr MESZ: Über NRW Nord- bis Nordostwind

    (5) Äquipotenzielle Temperatur auf 850 hPa (ca. 1,5 km Höhe) am 09.08., 14 Uhr

    (6) Bei Nordwind befindet sich das westliche Deutschland im Lee der skandinavischen Berge

    (7) Absinkende Luft erzeugt ein kleines Hochdruckzentrum innerhalb von Hoch 'Zacharias' am Morgen des 10.08.12

  • MeteoShow & Leserfrage
    16.08.2012 11:44

    Es ist Donnerstag, und das heißt, es ist wieder Zeit für unsere Wettervorhersage per Video im Rahmen unserer MeteoShow, in dieser Woche mit sehr sommerlichen Ausblicken. Nachfolgend widmen wir uns noch einer Frage, die uns Andreas L. gestellt hat. Er liest diese Wetter News fleißig über die WeatherPro App und hat das Wetter am vergangenen Freitag, 10.08. sehr genau beobachtet.

    Doch zunächst widmen wir uns wie angekündigt dem künftigen Wetter mit unserer MeteoShow:

    • MeteoShow vom 16.08.2012

    Unsere MeteoShow mit dem Wetter für das Wochenende und weiteren Aussichten

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    "Knick" in relativer Luftfeuchtigkeit?
    Andreas hat am vergangenen Freitag, 10.08.2012, sehr genau das Wetter in Nordrhein-Westfalen verfolgt. Er stellte fest, dass die relative Luftfeuchtigkeit auf einmal deutlich zurückging. Dennoch war kein Tiefdruckausläufer oder Ähnliches zu erkennen. Wie kam es also dazu, dass auf einmal die Luft trockener war als zuvor und damit auch die Sichtweite zunahm sowie bereits ein leichter Wind als kühler empfunden wurde?

    Vorgeschichte
    Dazu blicken wir ein bisschen weiter zurück. Wir erinnern uns: Zu Beginn der vergangenen Woche waren wir noch unter Einfluss von Skandinavien-Tief Viktoria, das zur Wochenmitte allmählich nach Osten abgedrängt wurde (Abb. 1) und wir allmählich unter Einfluss des Hochs "Zacharias" gelangten. Zwischen diesen beiden Hauptakteuren erreichte uns polare Meeresluft.

    In den kommenden Tagen verlagerte sich dann das Hoch sehr langsam, aber kontinuierlich weiter nach Osten (Abb. 2). Um das Hoch herum wurde dabei die Luft polaren Ursprungs geführt, die dann im Bereich des Hochs absank und dabei weiter austrocknen konnte. In der Höhe war also die Luft bereits trocken. Bodennah kam sie aber zunächst mit nordwestlicher Strömung auf langer Strecke über die Nordsee. Dadurch gelangte bodennah wieder mehr Feuchtigkeit heran.

    Blick auf die "Taupunkte"
    So sehen wir an den Wetterstationen gemessene Taupunkte über Nordrhein-Westfalen zwischen 12 und 14°C (Abb. 3). Der Taupunkt ist dabei ein Feuchtemaß. Die Taupunkttemperatur ist die Temperatur, bis zu der die vorhandene Luft abgekühlt werden muss, damit sie kondensiert, bis dass also die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Im Sommer werden Taupunkte von 16 bis 18°C bereits als recht schwül empfunden, Taupunkte unter 10°C dagegen bedeuten zu dieser Jahreszeit eine sehr trockene Luft. 

    Wie wir sehen, liegen einen Tag später, am 10.08. um 14 Uhr, die Taupunkte tatsächlich deutlich niedriger (Abb. 4). Sofort fällt dabei auch die Windrichtung auf. Statt von Nordwesten wehte der Wind über NRW sehr schwach aus Nord oder sogar Nordost. Die erste Erklärung ist also, dass Nordrhein-Westfalen nicht mehr unter dem Einfluss unmittelbarer Nordseeluft war. Hinzu kam aber noch etwas anderes: Gehen wir noch einmal einen Tag zurück. Wir sehen in Abb. 5 die äquipotenzielle Temperatur in etwa 1,5 km Höhe. Dabei handelt es sich um ein Maß für den Energiegehalt der Luft, das sich zusammensetzt aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die niedrigsten Werte hat also trocken-kalte, die höchsten schwül-heiße Luft.

    Faktor Skandinavien
    Markiert ist in dieser Abbildung die "grüne Nase" mit trocken-kühler Luft, die von der skandinavischen Atlantikküste nach Süden zeigt. Was wir dort nun sehen, ist ein Föhn-Effekt, wie wir ihn auch an den Alpen kennen. So sinkt die Luft im Lee der skandinavischen Berge ab (Abb. 6) und trocknet dabei aus. Dieser Absinkprozess ist sogar in der Bodendruckkarte vom 10.08. als kleines Hochdruckzentrum zu erkennen (Abb. 7). Nicht zuletzt hat also die Drehung des Windes von nordwestliche auf nördliche Richtung damit dazu geführt, dass auch die Luft in der Mitte Deutschlands auf einmal deutlich trockener war als zuvor.

    Haben Sie Fragen?
    Wir hoffen, damit nicht nur Andreas das Wetter etwas näher gebracht zu haben. Sollten Sie auch Fragen zum Wettergeschehen haben, so können Sie sie uns per Twitter oder Facebook stellen oder per Mail senden, wozu wir sehr ermutigen möchten.

    Von: Frank Abel