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Winter im Nordosten08.04.2008 05:21
Da hat er im äußersten Nordosten Deutschlands noch einmal so richtig zugeschlagen – der Winter, der zum größten Teil eigentlich seinem Namen keine Ehre gemacht hatte. Vor allem die Hochwintermonate Dezember, Januar und Februar fielen meist zu mild aus, dafür wird vielen Menschen der März und da insbesondere das Osterfest in teils weißer Erinnerung bleiben. Und wer dann dachte, im April ist die späte Kälte endlich vorbei, der sollte gewaltig irren. Die Temperaturen verblieben in den unteren Regionen, vergleicht man sie mit den jahreszeitlich üblichen Werten für die letzten Tage. Was nun aber gerade an der Ostsee passiert, kann schon durchaus als extrem bezeichnet werden.
Hier begann es in den Abendstunden des gestrigen Tages von Osten herzunächst zu regnen, allerdings wurde der Niederschlag im Laufe der Nacht heftiger und konnte dabei teilweise in Schneeregen, örtlich sogar in kräftigen Schneefall übergehen. So beispielsweise an der Wetterstation in Greifswald, wo bereits um 02 Uhr MESZ auf der Messwiese eine geschlossene Schneedecke von einem Zentimeter registriert werden konnte. Die Niederschlagsintensitäten waren im weiteren Verlauf teils sehr hoch und so konnte beispielsweise in der Stunde zwischen 03 und 04 Uhr MESZ eine Menge von fast 5 Litern pro Quadratmeter gemessen werden (Bild 1). Dazu spricht allein der Wetterzustand von 03 Uhr MESZ Bände (Bild 2). Es wurde "ww75" beobachtet, was Winterfans das Herz höher schlagen lässt, denn dies bedeutet nichts geringeres als „starker Schneefall“. Scherzhaft spricht man bei einem solchen Wetterzustand umgangssprachlich manchmal davon, dass es „Toastbrote schneit“, da gerade bei nassem Schnee manchmal sehr große Flocken produziert werden, die in gewisser Weise daran erinnern.-
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Bei der Messung um 08 Uhr MESZ konnten auf der Messwiese der Wetterstation Greifswald sage und schreibe 9 cm (!!) Schnee vermeldet werden, das besitzt Seltenheitswert. Rekordverdächtig, was das späte Eintreffen dieser weißen Bescherung betrifft, ist es jedoch nicht, die späteste Schneedecke konnte in Mecklenburg-Vorpommern am 11. Mai 1978 in Groß Lüsewitz bei Rostock gemessen werden.
Von: Gregor Neubarth
Doch wie kommt es in dieser bereits fortgeschrittenen Jahreszeit zu einem solch heftigen Winterereignis? Die Erklärung liegt darin, dass sich bei kräftigen Kaltluftvorstößen bis hinunter ins westliche Mittelmeer südlich der Alpen ein Tiefdruckgebiet bilden konnte, welches sich über die Ostalpen nordwärts bis nach Polen verlagerte und dabei auf seiner Vorderseite feuchte und sehr milde Mittelmeerluft bis ins Baltikum und den nördlichen Ostseeraum führte. Auf den Bildern 3 und 4 sieht man, wie es heute Nacht über dem nördlichen Polen lag und was noch wichtiger ist, wie auf der westlichen Flanke deutlich kältere Luft angezapft wurde. Dieses Aufeinandertreffen verschiedener Luftmassen ist der Grund für kräftige Hebungsprozesse, da die wärmere Luft auf die kältere aufgleitet und dabei erhebliche Niederschlagsprozesse in Gang gesetzt werden, nicht zuletzt auch dadurch, dass eben jene milde Luft sehr feucht ist. In der Wojewodschaft Wielkopolskie (Großpolen) gab es gestern sogar Gewitter. Aus größeren Höhen, in denen trotz „milder Mittelmeerluft“ Frost herrscht, fällt Schnee, der durch relativ kalte Luft in unteren Schichten auch nicht taut. Da es jedoch in den tiefsten Schichten unter 1000 m schon recht mild war, gerät er bei schwächeren Niederschlagsintensitäten längere Zeit unter den Einfluss von positiven Temperaturwerten und es bleibt dann für die Menschen im Flachland bei Regenwetter. Je stärker aber die Niederschläge sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Schnee, der bis ganz herunter fällt. Im Januar oder Februar hätte diese Wetterlage aufgrund der niedrigeren Strahlungsbilanz und niedrigeren Temperaturen in den untersten Troposphärenschichten durchweg Schnee produzieren können, was in der betroffenen Region wohl für ein Schneechaos gesorgt hätte. Da wir aber bereits im April sind, fiel der Niederschlag vielfach schon als Regen, dennoch hat es wie anhand der Webcam von Greifswald zu sehen ist teils auch für eine weiße Überraschung gereicht (Bild 5), die allerdings nur von sehr kurzer Dauer sein wird.
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