Weiße Weihnachten?

Anzeigen
  • Weiße Weihnachten?
    04.12.2007 06:16

    Am 4. Dezember eine Vorhersage über das Wetter an den Weihnachtsfeiertagen zu machen, ist sicherlich zu frühzeitig. Die Atmosphäre als chaotisches System ist im wahrsten Sinne des Wortes zu unberechenbar, um für einzelne Tage das Wetter zu prognostizieren. Da heute aber St. Barbara ist, und da es zu diesem Tag eine Bauernregel gibt, die das Weihnachtswetter voraussagt, schauen wir ein wenig in die Statistik.

    • Anzeige

     

    Die Bauernregel

    Die Bauernregeln, von der hier die Rede ist, lautet:

    "Geht Barbara im Klee, kommt's Christkind im Schnee."

    Mit anderen Worten: wenn in der Zeit um den 4. Dezember kein Schnee liegt, so soll können wir auf Weiße Weihnachten hoffen. Horst Malberg hat sich in seinem Buch über Bauernregeln mit vielen dieser Vorhersagen beschäftigt, unter anderem auch mit der St. Barbara - Regel.

    Die Auswertung dieser Bauernregel ergab, dass wenn um den 4. Dezember kein Schnee liegt, es zu 57% im nördlichen Deutschland auch zum Christfest keinen Schnee gibt, also eher das Gegenteil stimmen könnte (wenn auch nur mit geringer statistischer Signifikanz). Ist andersrum Anfang Dezember eine Schneeauflage vorhanden, so ist "mit 70% Wahrscheinlichkeit an mindestens einem Tag vom 24. bis 26. Dezember mit einer Schneedecke zu rechnen". (Horst Malberg, "Bauernregeln - Ihre Deutung aus meteorologischer Sicht", Springer-Verlag, 1989, S. 85). Diese Regel können Sie nun mithilfe von Abb. 1 für sich selbst auslegen.

    Allgemeine Statistik

    Gerne lassen wir uns von unser Erinnerung täuschen. Die grünen Weihnachtstage im Regen verblassen, während uns die Weihnachtstage mit Wanderungen in schneebedeckter Landschaft noch deutlich vor Augen sind. Schaut man sich aber die Statistik an, so wird deutlich, dass auch damals schon Weiße Weihnachten eher die Ausnahme als die Regel waren.

    Im Flachland kommen Weiße Weihnachten im Schnitt alle 7 bis 10 Jahre vor, oder in 10 bis 30% der Fälle. Besser sieht es naturgemäß in den Mittelgebirgen aus, je nach Höhenlage bei 30 bis 60%, in höheren Mittelgebirgslagen ist man bei über 90% Wahrscheinlichkeit sogar schon beinahe sicher (siehe Abb. 2).

    Hinzu kommt die sogenannte Singularität des Weihnachtstauwetters. Eine Singularität bezeichnet eine Unregelmäßigkeit im Wetterablauf, der immer zu bestimmten Zeiten auftritt. So hat man es nach eventuellen Kaltlufteinbrüchen im Dezember kurz vor den Feiertagen häufig mit südwestlichen Winden zu tun, die den gefallenen Schnee dann wegtauen.

    Trend für Weihnachten 2007

    Für dieses Jahr ist es kaum möglich, bereits einen Trend zu erkennen. Momentan befinden wir uns in kräftiger westlicher Strömung im Einfluss feuchter Meeresluft, dabei ist es eher mild und die Niederschläge erreichen das Flachland in Form von Regen, zeitweise steigt die Schneefallgrenze sogar auf 2000 Meter.

    Es sieht momentan also recht mild aus. Ein Blick in die Ensemble-Prognosen deutet aber eine Änderung an: im Laufe der kommenden Woche soll sich ein dezenter Kaltluftvorstoß versuchen (Abb. 3), wobei die Temperaturen etwas zurückgehen. Aber selbst das wird vermutlich nicht für richtiges Weiß reichen, eher für etwas Schneeregen in den Abendstunden. Die Mittelgebirge könnten aber ein paar Schneeschauer abbekommen.

    Darüber hinaus zeigt das Mittel mehrerer Modellläufe zunehmenden Hochdruckeinfluss vom Ostatlantik. Bei schwachen westlichen Winden spricht also auch hier nichts für flächendeckendes Weiß. Immerhin: es gibt eine große Unsicherheit bei den Vorhersagemodellen, und ein Kaltluftvorstoß ist nach wie vor möglich.

    So zeigt auch die 28-Tages-Prognose, die für unsere Energiekunden wöchentlich aktuell bezogen werden kann, die Rückkehr von deutlich übernormalen Temperaturen hin zur Normalität (Abb. 4). Der graue Bereich zeigt übrigens die Sicherheit solch eines Trends. Je breiter er ist, desto unsicherer ist die Prognose, in diesem Fall reicht die mögliche mittlere Temperatur für Deutschland an Heiligabend von -7 bis +8°C. Es ist also bisher noch alles möglich, man sollte dabei allerdings die Statistik von Abb. 2 im Hinterkopf behalten.

     

    Von: Frank Abel