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Zeitumstellung ungesund26.10.2007 07:01
Sommerzeit endet am 28. Oktober
Am kommenden Sonntag wird die Uhr bei uns von 3 Uhr morgens auf 2 Uhr zurückgestellt. Damit endet die Mitteleuropäische Sommerzeit. Viele freuen sich über diese Umstellung, denn damit gibt es für uns eine Stunde mehr Wochenende. Ein Viertel der Weltbevölkerung lebt mit dem Wechsel von Sommer- und Winterzeit.
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Innere Uhr hat einen 25-Stunden-Tag
Unsere innere Uhr passt sich mithilfe des Tageslichts an den 24-Stunden-Rhythmus der Umgebung an, dies nennt man Entrainment. Ginge es dagegen nur nach unserem Körper, müsste der Tag 25 Stunden lang sein (siehe Abb.). Erkannt wurde das in Versuchen, bei denen Menschen bei Dunkelheit und ohne Zeitinformation isoliert wurden. Auch viele biologische Funktionen unseres Körpers haben eine Periode von 25 Stunden.
Die Vorgabe über die Anpassung an den 24-Stunden-Tag kommt für unseren Körper also von der Tageshelligkeit. Während unsere Hormone sich im Sommer wesentlich früher auf das Aufstehen vorbereiten, dauert es im Herbst etwas länger. Diese Angleichung geschieht in unserem Körper minutengenau. (Wenn Sie etwas in Ihre aktuelle innere Uhr blicken möchten, dann betrachten Sie die aktuellen Sonnenauf- und -untergangszeiten auf der linken Seite).
Neue Studie über gesundheitliche Folgen
Doch was sind die Auswirkungen solch einer abrupten Umstellung auf unseren Körper, dessen innere Uhr sich eigentlich an der Tageshelligkeit orientiert? Dieser Frage gingen Experten, so genannte Chronobiologen, an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München nach. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden am 24. Oktober in der Fachzeitschrift Current Biology[1] veröffentlicht.
"Größere Auswirkungen hat als bisher geglaubt"
Bei der Untersuchung wurden zunächst Daten von 55.000 Menschen in einer ausgewertet. Der Teamleiter Professor Till Roenneberg fasst zusammen: "Die innere Uhr passt sich auch genau an die saisonalen Veränderungen der Morgendämmerung an. Im Winter ist sie auf spät, im Sommer auf früh gestellt. Diese minutiöse Anpassung wird jedoch durch die Zeitumstellung empfindlich gestört."
"Anpassung an die Sommerzeit sehr viel schwieriger"
In einer zweiten Untersuchung wurden nun 50 Personen acht Wochen lang rund um die Zeitumstellungen beobachtet, dabei zeigte sich, "dass die Anpassung der inneren an die Umstellung der sozialen Uhr im Herbst kaum Probleme macht. Die innere Uhr macht zu diesem Zeitpunkt einen großen Sprung nach hinten, da die letzten Monate der Sommerzeit sie daran hinderten, sich an die später werdende Morgendämmerung anzupassen und es ihr ehedem leicht fällt, sich zu verzögern", so Roenneberg. "Sehr viel schwieriger dagegen ist die Anpassung an die Sommerzeit im Frühjahr."
Besonders gravierend sind die Anpassungsprobleme bei den Spätaufstehern. Roenneberg: "Ihr biologisches Timing bleibt einfach auf Normalzeit, während all ihre sozialen Aktivitäten um eine Stunde vorgestellt werden."
"Nur eine Stunde"?
"Nur eine Stunde", werden viele sagen, "das hat man nach ein paar Tagen wieder ausgeglichen." Das Forscherteam warnt aber davor, diese harmlos scheinende Stunde in Ihren gesundheitlichen Auswirkungen zu unterschätzen. Es vergleicht die Zeitumstellung mit einer Fernreise: "Dies bedeutet, dass die gesamte Bevölkerung Deutschlands im Frühjahr theoretisch zwangsweise nach Marokko transportiert wird und im Herbst wieder zurück [...] mit all den damit verbundenen Anpassungsproblemen."
Bei Leuten, die gegen ihre innere Uhr leben, sind die gesundheitlichen Folgen bereits bekannt: "Es steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass man mit dem Rauchen anfängt, aber auch zum Beispiel das Herz-Kreislauf-Risiko [...] Zumindest Fruchtfliegen sterben früher, wenn man ihren Tagesrhythmus ständig verändert."
Große Gesundheitsgefahren sehen die Wissenschaftler bei den langfristigen Schädigungen der ständigen Umstellungen. "Ganz generell darf man auch kleine Veränderungen in einem biologischen System nicht unterschätzen", so Roenneberg. "Sie scheinen aus menschlicher Sicht trivial und haben dennoch - in größerem Zusammenhang gesehen - dramatische Auswirkungen. Da diese schleichend und langfristig sind, bemerken wir sie kaum. Es ist zu früh, um über einen Effekt der Zeitumstellung auf die Gesundheit der Menschen zu spekulieren. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass das Problem sehr ernst genommen werden muss und sehr viel genauer erforscht werden sollte."[2]
Quellen:
[1] "The Human Circadian Clock's Seasonal Adjustment is disrupted by Daylight Saving Time",
Thomas Kantermann, Myriam Juda, Martha Merrow and Till Roenneberg
Current Biology, 24. Oktober 2007[2] Pressemitteilung der Ludwig-Maximilian-Universität München, Kontakt: http://www.imp-muenchen.de/?chronobiology
Von: Frank Abel
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