Toter durch Unwetter

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  • Toter durch Unwetter
    20.08.2007 05:43

     

    Familienvater ertrunken

    Die österreichische Nachrichtenagentur apa berichtet von einem heftigen Gewitter am Sonntagabend im Salzburger Flachgau in der Nähe der Ortschaft Koppl.

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    Der fünffache Familienvater habe im Ortsteil Unterkoppl das rund 70 Zentimeter breite Rohr des Bachs von angeschwemmtem Unrat befreien wollen. Bei diesem Reinigungsversuch sei der Mann durch den Sog der Strömung in das Rohr hineingezogen worden. Der Rettungsversuch seiner drei Söhne sei wegen der großen auftretenden Kräfte erfolglos gewesen.

    Wie entstanden diese Gewitter?

    Zunächst folgt ein Blick auf die Wetterlage. Der so genannte Jetstream, das Starkwindband in der höheren Atmosphäre, zieht momentan südlich an uns vorbei und reicht vom Atlantik über den Norden Spaniens und das nördliche Mittelmeer bis nach Weißrussland (dies ist in Abbildung 1 markiert).

    Dabei bildet die Lage links des Jetstreams gute Voraussetzung für die Entstehung von kräftigen Schauern und Gewittern (Abb. 2). Mit der herangeführten feuchten Mittelmeerluft war in diesem Fall genug Wasser für kräftige Regengüsse vorhanden.

    Stichwort Windscherung

    Dabei war die den Gewittern zur Verfügung stehende Bewegungsenergie gar nicht einmal so hoch (Abb. 3).

    Begünstigend für die Entwicklung der Unwetter war hierbei viel mehr die Windscherung, also die Änderung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung mit der Höhe. Sie wirkt sich begünstigend auf die Entstehung mächtiger Wolkentürme aus.

    In Abbildung 4 sehen wir beispielsweise, dass am Sonntagnachmittag der Wind in Bodennähe (schwach) aus Nordost wehte, während der Höhenwind aus Südwest kam.

    Sonderfall Gebirge

    Während im deutschen Flachland die Windrichtung und -stärke meist leicht aufgrund der Hoch- und Tiefdruckverteilung vorausgesehen werden kann, sind die Talwindsysteme von größeren Gebirgen wie den Alpen deutlich schwerer zu betrachten.

    So kann es hier auf engem Raum durch die Berge zu einer beträchtlichen Zunahme der Windscherung kommen, wodurch Gewitter ausgelöst werden. Dies ist der Grund, warum viele Bergführer die Unerfahrenen vor den schwer berechenbaren und plötzlich auftretenden Unwettern warnen.

    Der spezielle Fall Unterkoppl

    Der Unwetter-Fall Unterkoppl unterstreicht diese Beobachtung. Schauen Sie Abbildung 5 an, so sehen Sie von Koppl aus in Richtung Südwest auf das Salzburger Becken, also in die Richtung, aus der am Sonntag der Höhenwind blies.

    Gleichzeitig ist zu erkennen, dass die Achse des Salzachtals beinahe senkrecht zu dieser Höhenströmung verläuft. Hier kann also davon ausgegangen werden, dass ganz andere Bodenwinde vorlagen.

    Viel Wasser

    Bei solchen Gewitterlagen fallen auf engem Raum natürlich sehr unterschiedliche Regenmengen, sodass selbst das mittlerweile engmaschige Messnetz nur Anhaltspunkte über die maximalen Güsse geben kann.

    Abbildung 6 zeigt dabei die gemeldeten 6-stündigen Niederschlagsmengen vom 19. August 2007, 14 bis 20 Uhr MESZ und das Niederschlagsradar-Bild von 19:30 MESZ.

    Hinweise auf kräftige Regengüsse gibt es dabei genug: der Flughafen Salzburg meldet immerhin 25 Liter auf den Quadratmeter, und das Radarbild lässt weiter nordöstlich auf Starkregenfälle über 50 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde schließen, wobei an diesem weißen Punkt auch von Hagelschlag ausgegangen werden kann.

    Noch höhere Regenmengen werden dann auch um 23 Uhr aus Kremsmünster in Oberösterreich gemeldet: 65 Liter pro Quadratmeter in den vergangenen 3 Stunden.

     

     

    Von: Frank Abel