Gefühlte -18°C

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    Eisige Winde wehen heute

    (1) Luftdruckverteilung: Vorhersage für den 3.1., 13 Uhr

    (2) Temperaturen am 3.1. um 15 Uhr mit Windfiedern (links) und kräftigste Windböen am Nachmittag in km/h (rechts)

    (3) Windchill-Effekt in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit

    (4) Schema zur Veranschaulichung des Windchill-Effekts

  • Gefühlte -18°C
    03.01.2008 04:59

    Heute stehen sich über Europa große Luftdruckgegensätze gegenüber. In der Osteuropäischen Ebene in Westrussland haben wir den für Europa seltenen Fall eines Hochs mit einem Luftdruck von 1060 hPa, während sich über dem Ostatlantik vor der Biskaya das Tief Anje befindet (Abb. 1).

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    Dabei hat sich eine kräftige Ostströmung eingestellt, mit der die kalte und trockene Frostluft zu uns gelangt. Der Ostwind weht in der Nordhälfte Deutschlands meist mäßig bis frisch, in Böen durchaus auch stark bis stürmisch. Wenn Sie die Temperatur- und Windwerte aus der Abb. 2 in unseren Wetterrechner unter "Windchill" eingeben, so erhalten Sie für Ihren Ort auch die gefühlte Temperatur von heute Nachmittag. Für Berlin ergibt sich für 15 Uhr zum Beispiel eine gefühlte Temperatur von sage und schreibe -18°C. Wieso ist das so?

    Die gefühlte Temperatur

    Der Begriff Windchill oder "gefühlte Temperatur" bezeichnet den Kältestress, dem unsere Haut bei einer bestimmten Windgeschwindigkeit ausgesetzt ist. Als Vergleich dienen definierte windschwache Bedingungen. Bei den heutigen Temperaturen und Windgeschwindigkeiten hätte also die Haut den gleichen Kältestress, den sie hätte, wenn bei schwachem Wind -18°C gemessen würde. Selbstverständlich ist der Windchill-Effekt umso größer, je kräftiger der Wind ist (Abb. 3)

    Dass sich die gleiche Temperatur so unterschiedlich anfühlen kann, liegt an einer Luftschicht, die bei nur schwachem Wind unsere Haut umgibt. Sie isoliert und sorgt dafür, dass unsere Körpertemperatur nicht so schnell an die Umwelt abgegeben wird.

    Weht nun ein kräftigerer Wind, so wird diese Isolations-Schicht abgetragen. Gleichzeitig verdunstet unsere Haut mehr Wasser. Dieser Vorgang benötigt Energie, womit die Temperatur an der Hautoberfläche weiter sinkt (Abb. 4).

    Vorsicht: die gefühlte Temperatur ist kein Wärmemaß!

    Durch den Begriff der "gefühlten Temperatur" könnte man schnell dem Trugschluss unterliegen, dass es sich hier um ein Wärmemaß handelt. Dies ist physikalisch betrachtet allerdings falsch. Es handelt sich hier lediglich um eine Größe für den Wärmeverlust. Dazu ein Beispiel:

    Hätte man eine Temperatur von 1°C bei einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h, so ergibt sich eine "gefühlte Temperatur" von -6,3°C. Obwohl dieser Wert negativ ist, gäbe es allerdings niemals Erfrierungen auf der Haut, egal wie lange man im Freien stehen würde. Die Temperatur der Hautoberfläche würde sich nur schneller der 1°C annähern.

    Unter Zuhilfenahme unseres Ortewetters und des Wetterrechners können Sie nun für Ihren Wohnort den eigenen Windchill ausrechnen.

    Von: Frank Abel