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Smolensk-Absturz im Nebel10.04.2010 09:44
Gegen 8:50 Uhr MESZ ist heute eine Tupolev TU-154 beim Landeanflug auf einen Militärflughafen in der russischen Stadt Smolensk verunglückt. Bei dem Absturz der Maschine kamen nach Medienberichten neben Präsident Lech Kaczynski auch seine Frau Maria und etliche hochrangige Vertreter des Landes ums Leben.
Die Frage nach der Ursache eines Flugzeugabsturzes ist immer auch eine Frage nach den Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Unglücks. Denn das Wetter stellt eines der größten Risiken für die Luftfahrt dar. Bei den häufigsten Ursachen sind sowohl eine Kollision mit dem Boden, beispielsweise einem Berghang, als auch der Kontrollverlust über das Flugzeug besonders vom Wetter abhängig, sei es durch schlechte Sicht- und Windverhältnisse oder durch Turbulenz und Vereisung.-
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Bei dem Flugzeugabsturz in Smolensk handelte es sich nach derzeitigen Angaben um eine Kollision der Maschine mit einem bewaldeten Hang, der sich in der Nähe der Landebahn des Flughafens Sewerny nördlich von Smolensk befindet. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte nach Angaben der Wetterstation des Flughafens Nebel bei einer Temperatur von etwa 0°C. Abbildung 1 zeigt die Wettersituation am heutigen Morgen um 8 Uhr MESZ: Dabei liegt eine schwache Front über Weißrussland, die dort bereits seit einigen Tagen für örtliche Schauer und Gewitter sorgt. Östlich dieser Front hat sich die Luftmasse deutlich angefeuchtet, wie Abbildung 2 an den recht hohen Taupunkten von 0 bis +4°C zeigt. Mit der Südströmung wanderten schwache Bodenfronten über Westrussland nordwärts.
Von: Christoph Gatzen
In dieser Luftmasse wurde in Smolensk heute Nacht ein Radiosondenaufstieg vorgenommen, der eine Ausstrahlungs-Inversion erkennen lässt: Hierbei handelt es sich um eine Temperaturabnahme in Bodennähe infolge nächtlicher Wärmeabstrahlung, die dazu führt, dass sich die feuchten Luftmassen der unteren Luftschichten nicht mehr mit der darüber liegenden, trockenen Warmluft vermischen können. Mit einem weiteren Rückgang der Temperatur auf unter 1°C wurde dadurch Nebel wahrscheinlich.
Auch mit Hilfe von Satellitenbildern (Abbildungen 3 und 4) ist die Wetterentwicklung abzuschätzen. Demnach gab es am Vortag in der Region bereits Nebel- und Hochnebelfelder. Dort, wo die Sonne sich durchsetzte, bildeten sich in der feuchten Luft einzelne Schauer und Gewitter, die sich westlich von Smolensk zeigen. Gleichzeitig erscheint bereits eine tiefe Wolkendecke, die sich von Süden her Smolensk näherte. Nach einer klaren und kalten Nacht deuten die Satellitenbilder von heute früh darauf hin, dass die Vorderkante der hochnebelartigen Bewölkung Smolensk nach 8 Uhr MESZ erreichte. Der von der Wetterstation registrierte zunehmende Südwind und der ansteigende Taupunkt deuten ebenfalls auf diese Front hin.
Zusammenfassend erscheinen die örtlichen Wetterbedingungen in Smolensk als Ursache für den Flugzeugunglück möglich. Die geringe Sichtweite erscheint dabei am ehesten wahrscheinlich. Eventuell hat sich die Sicht auch recht plötzlich verschlechtert, was vor allem im Bereich der schwachen Bodenfront möglich gewesen sein könnte. Soweit bekannt verfügt der Flughafen auch nicht über ein Landesystem, das die Piloten bei schlechten Sichtverhältnissen unterstützt. Zusätzlich ist bei Temperaturwerten um den Gefrierpunkt auch Vereisung nicht auszuschließen.
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