Goldener Oktober?

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    Geopotentialfeld in 300 hPa des GFS Modells. Keilachse über Westeuropa.

    Temperatur, 6h-Niederschlag und Mittelwind bis 18.Oktober.

    Relative Vorticity in 300 hPa des GFS Modells. Negative (blau) Vorticity über Deutschland.

  • Goldener Oktober?
    05.10.2007 08:24

    Vielfach ist im Volksmund vom so genannten Goldenen Oktober die Rede. Doch was ist wirklich dran an der Hoffnung auf eine anhaltende Schönwetterperiode im Oktober? Und vor allem, wie sieht es in diesem Jahr dahingehend aus?

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    Bevor man urteilt, sollte man sich einleitend zunächst ein paar allgemeine klimatologische Fakten ansehen. Als Bezugsstation dient die seit 1908 durchgehend messende offizielle Wetterstation Berlin-Dahlem, wobei für alle klimatologischen Betrachtungen immer der Zeitraum zwischen 1961 und 1990 herangezogen wird. Auf die Durchschnittstemperatur des Oktobers (9,3°C) kann der Begriff Goldener Oktober schon mal nicht bezogen sein, denn diese liegt damit nur knapp über Jahresschnitt von 8,9°C. Allerdings ist der Oktober der letzte Monat des Jahres, wo noch einmal ein Sommertag mit einem Maximum jenseits der 25°C-Marke möglich ist. Die bisherige Bestmarke datiert aus dem Jahre 1985, als am 4. Oktober stattliche 27,5°C erreicht wurden. Allerdings kann es Ende Oktober auch schon mächtig kalt werden und selbst Eistage sind im Bereich des klimatologisch Möglichen. Allerdings liegt der Rekordwert schon ein wenig zurück, denn am 29.10. des Jahres 1915 stieg das Thermometer nur auf den winterlichen Höchstwerte von -0,5°C. Der Oktober ist also generell eher ein klassischer Übergangsmonat mit einer enormen Schwankungsbreite.

    Wie sieht es bezüglich der Sonnenscheindauer aus? Vielleicht begründet sich ja hier das Goldene vom Oktober. Aber auch dahingehend lassen sich keine Besonderheiten feststellen. Entsprechend der fortgeschrittenen Jahreszeit ist pro Tag im Schnitt mit 3:34 h Sonne zu rechnen, so dass der Oktober damit sogar unter dem Wert des oft noch recht winterlich daherkommenden März liegt.

    Doch warum hält sich nun trotzdem die Redewendung vom Goldenen Oktober? Einzig mit den Niederschlagsmengen kann dies begründet werden. Im Mittel fallen nämlich nur 35,8 Liter pro Quadratmeter während des gesamten Monats, so dass der Oktober damit der trockenste Monat des ganzen Jahres ist. Wenig überraschend fiel dann auch der trockenste Monat aller Zeiten auf einen Oktober, denn im Jahre 1908 gab es nur mickrige 0,3 Liter pro Quadratmeter.

    Wie sieht es nun bezüglich des Oktobers 2007 aus? Tatsächlich scheint dieser eher dem oben beschriebenen Klimatrend als dem bisherigen Jahrestrend zu folgen. Nachdem bis auf den April bis dato alle anderen Monate teils deutlich zu nass waren und bereits Ende September ein neuer Rekordwert des Jahresniederschlags aufgestellt wurde (Siehe hier), stehen die Chancen nun gut für einen recht trockenen Oktober. Grund ist die allgemeine Umstellung der Großwetterlage. Im Vormonat führten westliche Wetterlagen nahezu ausschließlich feuchte, atlantische Luftmassen nach Mitteleuropa heran. Doch nun hat sich die Höhenströmung umgestellt und Mitteleuropa befindet sich auf der Vorderseite eines Langwellenkeils, dessen Achse über Westeuropa liegt (Siehe Abbildung 1). Damit gelangen von Norden und Nordwesten zwar eher etwas kühlere, dafür aber auch trockenere Luftmassen nach Deutschland. Abbildung 2 zeigt die von den Wettermodellen ECMWF, NCEP und KNMI sowie den statistischen Verfahren (MOS) prognostizierten 6-stündigen Niederschlagsmengen bis zum 18. Oktober. Man erkennt recht deutlich, dass während des gesamten Zeitraumes kein einziges Verfahren mehr als einen Liter pro Quadratmeter für einen 6-Stunden-Zeitraum erwartet.

    Die Hauptursache für die geringen Niederschlagsmengen zu Beginn des Oktobers sind aber dynamischer Natur. Vor kurzem wurde hier ein wenig auf den Einfluss der relativen Vorticity auf die Entstehung von Tiefdruckgebieten eingegangen. Nach dem in der Naturwissenschaft generell gültigen Prinzip von Le Chatelier, gibt es zu jedem physikalischen Prozess auch immer einen entgegenwirkenden Vorgang, damit das System nicht instabil wird. Einfacher ausgedrückt heißt dies: Es muss zu jedem Vorgang auch immer einen umkehrenden Prozess geben, damit ein Gleichgewicht hergestellt wird. Und exakt genau so verhält sich auch unsere Atmosphäre. Sie ist quasi ständig bestrebt einen Gleichgewichtszustand zu erreichen. Alle Wetterprozesse sind dann nichts anderes als die unmittelbaren Ausgleichsvorgänge. Beispielsweise baut der Wind die Luftdruckgegensätze ab und bläst folglich umso stärker, je größer die Luftdruckgegensätze sind.

    Ganz allgemein gesagt ist also der Transport von negativer Vorticity ursächlich für die Entstehung von Hochdruckgebieten, während positive Vorticity Tiefdruckgebiete entstehen lässt. Der Wind, welcher vom Hoch zum Tief weht, möchte dann als Ausgleichskraft (Prinzip von le Chatelier) die entstandenen Gegensätze wieder abbauen.

    In unserem Fall wird nun auf der Vorderseite des Langwellenkeils negative Vorticity Richtung Mitteleuropa transportiert. Anschaulich wird also eine Wirbelgröße produziert, welche die Entstehung von Hochdruckgebieten forciert. Dies erkennt man sehr schön auf Abbildung 3, wo negative Vorticity farblich in Blau gekennzeichnet ist. Mitteleuropa soll nun über einen recht langen Zeitraum auf der Vorderseite des Langwellenkeils verweilen, so dass quasi ständig neuer Lebenssaft für ein recht stabiles Hochdruckgebiet in Form negativer Vorticity bereitsteht.

    Eine generelle Änderung der recht trockenen, aber nicht unbedingt sonnenscheinreichen Wetterlage (Nebel und Hochnebel), kann folglich erst wieder einsetzen, wenn sich die Höhenströmung wieder umstellt und/oder der Langwellenkeil sich verschiebt.

    Von: Marcus Boljahn