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England: Überflutungen21.11.2009 08:27
Außerordentlich regenreich war die Witterung der letzten Tage über dem Nordwesten Europas. Dabei kam es zu Überflutungen, die laut Medienberichten in der nordenglischen Grafschaft Cumbria katastrophale Ausmaße annahmen. In den knapp 1000 Meter hohen Cumbrian Mountains gab es wahrscheinlich deutlich über 100 Millimeter Regen in 24 Stunden, worauf eine Meldung über 314 Millimeter an der Station Seathwaite Farm hindeutet. Auch an den Wetterstationen Keswick und Shap, ebenfalls im Bereich der Urlaubsregion Lake Distrikt gelegen, wurden 112 beziehungsweise 97 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden registriert, in 36 Stunden waren es an beiden Stationen etwa 140 Millimeter (Abbildung (1) zeigt 24-stündige Summen). Wie kam es zu diesen auffälligen Regenmengen?
Die Abbildungen (2) bis (4) zeigen die Bewölkung und Wetterlage über Europa am vergangenen Donnerstag. Während sich über Mitteleuropa Hochdruckeinfluss durchsetzte, wanderten Tiefdruckgebiete über den Nordostatlantik und beeinflussten mit ihren Fronten- und Niederschlagssystemen den Nordwesten Europas (Abbildung (2)). Als besonders niederschlagsintensiv erwies sich dabei die Kaltfront des südlich von Island angelangten Tiefdruckgebiets "Klaus". Entlang dieser Front entstand ein ausgedehnter Low Level Jet, ein Starkwindband in etwa 2 Kilometern Höhe, welches vom Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel und der Biskaya bis zur Nordsee reichte und sehr feuchte Atlantikluft mit voller Orkanstärke nach Nordosten transportierte (Abbildungen (3) und (4)). Als wesentlich für das Niederschlagsereignis erwies sich dabei nicht nur die Intensität der an der Kaltfront ausgelösten Niederschläge, sondern deren Andauer, da sich die Kaltfront unter Wellenbildung über 24 Stunden kaum verlagerte.
Bei genauerer Betrachtung der registrierten Regenmengen fällt aber auf, dass bei diesem Ereignis nicht nur die großräumigen Niederschlagsprozesse an der Kaltfront den Ausschlag für die Überflutungen an den Hängen der Cumbrian Mountains gegeben haben (Abbildung (5)). Vielmehr ergibt sich ein für Stauniederschläge typisches Verteilungsmuster der Regenmenge: Während in der Bergregion Summen um 140 Millimeter in 36 Stunden zusammen kamen, war es weiter westlich an der Irischen See mit 50 Millimetern (St. Bees Head) nur noch ein Drittel dieser Menge. Im Lee der Berge fielen mit 22 Millimetern in 36 Stunden (Carlisle) wahrscheinlich weniger als ein Zehntel der maximalen Menge in den Cumbria Mountains. Dementsprechend scheinen die Überflutungen in Cumbria nicht nur den intensiven Niederschlagsprozessen im Bereich der Front geschuldet, sondern deren Kombination mit kräftigen Stauniederschlägen, die durch sehr feuchte Luft und die kräftige Südwestströmung ausgelöst wurden.
So kam es auch in anderen Bergregionen in Nordwesteuropa im Zusammenhang mit dieser Wetterlage zu intensiven Regenfällen. Die Station Eskdalemuir in den Cheviol Hills in Südschottland meldete im selben 36-stündigen Zeitraum 130 Millimeter, später erreichte die feuchte Luft auch den südwestlichen Teil Norwegens, wo ähnlich hohe Regenmengen gemessen wurden.Von: Christoph Gatzen-
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