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Ungewöhnliche Eisschmelze?24.08.2008 05:34
Erneut häufen sich die Berichte in den Medien, die über eine mögliche Rekord-Eisschmelze noch 2008 in der Arktis berichten. Beispielsweise in einem Spiegelonline-Artikel vom 19.08.2008 wird ein neues Rekordminimum der Eisbedeckung zum Ende des Sommers 2008 für wahrscheinlich gehalten. Doch wie ist die Eisschmelze in diesem Jahr wirklich einzuschätzen?
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Noch im März 2008 lag die Eisbedeckung des Nordpolargebietes bei 15,2 Mio km², im Vergleich dazu die Eisbedeckung vom März 2007 bei 14,7 Mio km². Für die Schmelzprozesse sind aber nicht allein die Ausdehung der Eisfläche und deren geographische Lage entscheidend, sondern vor allem die Eisdicke. So zeigt eine Analyse des NSIDC (National Snow and Ice Data Center), dass die Eisbedeckung der Polarregion in diesem Frühjahr 2008 einen ungewöhnlichen großen Anteil von jungem, dünnen Einjahres-Eis enthielt. Abbildung 1 (entnommen dem NSIDC) stellt das Alter des Eises zum Ende des Winters 2007 und 2008 in einer farblichen Skala dar. Die dunkelblauen Flächen zeigen sogenanntes Einjahres-Eis an. Genau 72 Prozent der Eisfläche des Arktischen Beckens waren im Frühjahr 2008 mit diesem dünnen Einjahres-Eis bedeckt. Typischerweise überleben nur etwa 30 Prozent dieses Einjahres-Eises die sommerliche Schmelzsaison. Den prozentualen Anteil des Einjahres-Eises (First-Year-ICE) zu Beginn und zum Ende der Schmelzsaison in den letzten 25 Jahren zeigt die Abbildung 2 (entnommen dem NSIDC).
Mit diesen, über alle Jahre gemittelten Überlebensraten ließ sich schon im April diesen Jahres eine Abschätzung der Wahrscheinlichkeit vornehmen, den 2007er Septemberrekord zu brechen. Sollte das 2007-September-Rekord-Minimum NICHT gebrochen werden, müsste mehr als 50 Prozent des diesjährigen Einjahres-Eises überleben. Eine ähnlich hohe Überlebensrate des Einjahres-Eises hat es in den vergangenen 25 Jahren nur einmal gegeben, nämlich 1996. Mit den über alle Jahre gemittelten Überlebensraten ergäbe sich eine Endsommer-Ausdehung von 3,59 Mio km². Die bisher minimale Ausdehnung vom September 2007 lag bei 4,28 Mio km².
Schaut man sich die gegenwärtige Situation an, so ist der Vorjahresstand noch immer nicht erreicht (siehe Abbildung 3, entnommen dem NSIDC). Damit hat sich das Eis in der Arktis in dieser Schmelzsaison bisher erstaunlich gut gehalten. Zudem scheint jetzt der stärkste Rückgang des Eises überwunden zu sein, so hat in den letzten Tagen die stark negative Eisanomalie geringfügig abgenommen. Auch deuten die Prognosekarten auf einen Temperaturrückgang über der Arktis hin, was die Eisschmelze bremsen dürfte.
Von: Friedemann Schenk
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