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    Rätselhafter Atlantik

     
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    (1) An beinahe der gesamten Ostküste der USA stieg der Meeresspiegel seit Juni 09 sprunghaft an, teils um 60 cm

    (2) Meeresströmungen im Nordatlantik (Quelle: NASA)

    (3) Meeresoberflächentemperatur (SST)-Anomalie im Juni 09 (Quelle: NASA)

    (4) Meeresoberflächentemperatur (SST)-Anomalie im Juli 09 (Quelle: NASA)

    (5) SST-Anomalie Anfang August 09 in höherer Auflösung (Quelle: NOAA)

    Rätselhafter Atlantik
    6.08.09 08:42

    Temporärer Effekt oder doch ein Kippen des derzeitigen Klimasystems? Wissenschaftler rätseln derzeit über eine Temperaturanomalie im Nordatlantik. In einem sensiblen Bereich wird das Wasser immer kälter, gleichzeitig ist der Meeresspiegel an der gesamten Ostküste der USA sprunghaft angestiegen.

    Bisher gibt es für diese Entwicklung mehr Vermutungen als Erklärungen. Tatsache ist, dass sich die Wassertemperaturen im Nordatlantik alles andere als normal verhalten. Dabei bereitet insbesondere der "Kältepool" im mittleren Nordatlantik Sorgen.


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    Nordatlantikstrom bestimmt europäisches Klima
    Westlich der Britischen Inseln wird dabei normalerweise der Golfstrom durch den Nordatlantikstrom nach Nordosten hin weiter fortgesetzt (Abb. 2). Durch diese warme so genannte "thermohaline Zirkulation" wird dafür gesorgt, dass in Europa so viel milderes Klima herrscht als beispielsweise in Nordamerika auf der gleichen geographischen Breite.


    Schema der weltweiten thermohalinen Zirkulation

    Denn dabei wird das an der Oberfläche wärmere Wasser weiter nordostwärts an der norwegischen Küsten entlang transportiert, in der Tiefe erfolgt dann als Ausgleich die Gegenströmung.

    Dass der Nordatlantikstrom funktioniert ist dabei auch entscheidend vom Salzgehalt des Wassers abhängig. Klimaforscher befürchten, dass bei einer weiteren Abschmelzung des Polareises sowie einer zunehmenden Einspeisung von Flusswasser der Salzgehalt sinkt und den Nordatlantikstrom unterbricht.


    Was passiert bei Unterbrechung des Nordatlantikstroms?

    Würde dies eintreffen, so hätte das entscheidende Folgen auf das Klima, die direkt in Europa spürbar würden, aber auch weltweite Auswirkungen hätten. Diese thermohaline Zirkulation ist daher auch eines der so genannten Kippelemente (tipping points) im Klimasystem Erde. Wird an einem dieser Kippelemente ein gewisser Schwellenwert überschritten, so würde laut Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) das weltweite Klimasystem nachhaltig geändert.

    Sprunghafter Meeresspiegel-Anstieg
    Nun sind seit Juni 2009 zwei spürbare Veränderungen in diesem Bereich aufgefallen: Die Temperatur an der Meeresoberfläche sinkt ausgerechnet im Bereich des Hauptastes dieses Nordatlantikstroms immer weiter, mittlerweile liegt die Temperatur um bis zu 3°C unter den Durchschnittswerten (Abb. 3 bis 5).

    Gleichzeitig beobachtete man an der gesamten Ostküste der USA einen sprunghaften und nicht prognostizierten Meeresspiegelanstieg um teilweise 60 cm. Beinahe jeder, der mit Fischerei oder Schifffahrt zu tun hat, bemerkte dies beispielsweise daran, dass das Wasser auf Höhe der Dock-Oberflächen lag und man über die Schiffswände klettern musste.

    Richard Edwing, Vizedirektor bei der Wetter- und Ozeanografiebehörde de USA NOAA im Bereich Meeresspiegel und -strömungen, macht in den East Hampton News zwei Effekte für die hohen Wasserstände verantwortlich: Zum einen sorgten für die Jahreszeit ungewöhnliche Wettermuster für ein überdurchschnittliches Auftreten von Ostwinden, die das Wasser einfach gegen die Küsten und in die Häfen drückte.

    Golfstrom langsamer als sonst
    Zum anderen wurde festgestellt, dass der Golfstrom langsamer wurde, auch wenn man die Ursachen hierfür noch nicht kennt. Wenn aber der Golfstrom langsamer fließt, so nimmt er auch nicht so viel Wasser mit sich, das er sonst förmlich in dem Bereich zwischen sich und der Küste "aufsaugt".

    Was bedeutet also die derzeitige Entwicklung? Darüber kann man zurzeit nur spekulieren. Möglich ist eine Abschwächung der thermohalinen Zirkulation, möglich ist auch eine eventuell zeitlich begrenzte Verlagerung des Nordatlantikstroms nach Nordwesten. Noch ist es zu früh, um die weitere Entwicklung abschätzen zu können.

    Sie werden derzeit von den Wissenschaftlern jedoch genau beobachtet, denn die Veränderungen zurzeit geschehen an einem sensiblen Punkt im weltweiten Klimasystem.

    Von: Frank Abel


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    Felix Welzenbach

    Donnerstag, 06-08-09 10:30

    Zweifellos interessante Anomalie derzeit auf dem Nordatlantik. Konkret wirkt sich das in Europa in den nächsten Woche(n) durch eine Stärkung des Azorenhochs aus.

    Die führenden Mittelfristmodelle (EZWMF, GFS) geben Hinweise auf eine rege Neufundlandtiefdrucktätigkeit, also dort, wo momentan eine positive SST-Anomalie (bis 3K) auftritt. Wärmeres Oberflächenwasser bedeutet auch einen stärkeren fühlbaren Wärmestrom vom Wasser in die umgebende Luft und damit eine Herabsetzung der statischen Stabilität, was in der "Omega-Gleichung" eine wichtige Rolle einnimmt.

    Im Klartext: Die Tiefdrucktätigkeit im nordwestlichen Atlantik wird angekurbelt, was die Hochdruckbildung über dem östlichen Nordatlantik (Azoren) stützt. Und das hätte für unseren Sommer dahingehend Auswirkungen, dass die heißen Zeiten erstmal vorbei sind. Nun kommt aber noch die negative SST-Anomalie bei den Azoren zum Tragen, welche die statische Stabilität stark heraufsetzt und dadurch das Hoch ebenfalls stützt. So gesehen wäre eine Nordwestlage bei uns vorwiegend durch die Dipolstruktur der SST-Anomalie nachhaltig gestützt, aber das ist bis auf weiteres Spekulation, da wir nicht wissen, ob die Anomalie bestehen bleibt.

     
     


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